20. März 2023

Zwischen Bullen und Bären

FLASH – REPORT Nr. 1 / 2023

Dem brei­ten Aktienmarkt, vor allem aber den letzt­jäh­ri­gen Börsenverlierern, gelang ein fulmi­nan­ter Start ins neue Jahr. Indizes, beispiels­weise der tech­no­lo­gie­la­stige Nasdaq, verzeich­ne­ten den besten Januar seit über 20 Jahren. Gefallene Börsenlieblinge aus den Sektoren Technologie und Internet erleb­ten eine grosse Renaissance. Eine Bewegung, die ihren Anstoss keinen schlag­kräf­ti­gen funda­men­tal­wirt­schaft­li­chen Argumenten verdankte. Vielmehr war es aufkei­mende Hoffnung auf eine baldige Abkehr von der restrik­ti­ven Geldpolitik seitens US-Notenbank, eine sanfte Landung der Wirtschaft sowie einen raschen Rückgang der Inflation. Die soge­nannte «Fear of miss­ing out», kurz FOMO, also die Angst, bei stei­gen­den Aktienkursen nicht zu parti­zi­pie­ren, befeu­erte den Kursanstieg zusätz­lich. Wir bei Livalor haben diese Entwicklung genutzt, um die Aktienquote in den Kundenportfolios zu redu­zie­ren und uns inner­halb der Aktienallokation defen­si­ver zu positionieren.

Prompt kam die Trendwende Mitte Februar und die Euphorie bezüg­lich einer Umkehr zu einer locke­re­ren Geldpolitik war verflo­gen. Ein weiter­hin star­ker Arbeitsmarkt und das Dementieren einer Kursänderung seitens US-Notenbank dämpf­ten die Anlegerstimmung deutlich.

Bankenbranche in der Krise

Die Silicon Valley Bank war bis vor kurzem die 16. grösste US-Bank. Sie fokus­sierte sich auf die Finanzierung von Startups in den Bereichen Technologie, Gesundheitswesen und Private Equity. Ein blühen­des Geschäft in Zeiten locke­rer Geldpolitik. Mit der Zinswende nahm der Marktwert der fest­ver­zins­li­chen Anlagen, welche die Bank auf ihrer Aktivseite verbuchte, jedoch rapide ab. Eine bedroh­li­che Entwicklung für ein Institut, welches Kunden mit hohem Kapitalbedarf bedient. Um diesen zu decken, sah sich die SVB gezwun­gen, die erheb­li­chen Marktwertverluste auf den fest­ver­zins­li­chen Wertpapieren zu reali­sie­ren. Damit die Weiterführung der Geschäftstätigkeit gewähr­lei­stet werden konnte, musste drin­gend neues Eigenkapital inji­ziert werden. Der Versuch, dieses über den Sekundärmarkt zu beschaf­fen, resul­tierte in einem komplet­ten Vertrauensverlust der Kundschaft, einem Bank Run und schluss­end­lich der Insolvenz.

Nach mehre­ren Jahren zuneh­men­den Vertrauensverlustes erreich­ten die Schockwellen des SVB-Debakels auch die Credit Suisse. Als schwa­ches Glied in der Kette der global vernetz­ten Bankenwelt waren die Auswirkungen der allge­mein wach­sen­den Skepsis für das Finanzinstitut beson­ders gross. Es folg­ten massive Kapitalabflüsse. Eine hohe Liquiditätsspritze der Schweizer Notenbank (SNB) genügte nicht, das Vertrauen von Kunden und Investoren wieder­her­zu­stel­len. Der Schweizer Bund orche­strierte schluss­end­lich eine Übernahme der Credit Suisse durch die Konkurrentin UBS. Für Aktionäre, beson­ders aber Halter von Pflichtwandelanleihen der ehema­li­gen Grossbank ein herber Schlag.

Livalor ist seit über einem Jahr weder in Aktien noch Pflichtwandelanleihen der Credit Suisse investiert.

Gefahren und Opportunitäten

Aktien- und Obligationenmärkte entwickeln sich mittel­fri­stig entlang den Zinserwartungen. Kurzfristig können jedoch Panik oder Euphorie wech­sel­weise domi­nie­ren. Die Federal Reserve möchte eine Reaktion der Realwirtschaft auf seine restrik­tive Geldpolitik in Form einer sich abschwä­chen­den Wirtschaft errei­chen und so die Inflation redu­zie­ren – idea­ler­weise ohne in eine Rezession zu rutschen. Eine nicht erwünschte Nebenwirkung der konse­quen­ten Zinserhöhungen stell­ten dabei jedoch die drei Bankenpleiten in den USA dar.

Wir skiz­zie­ren ein Szenario, in welchem die aktu­elle Verunsicherung der Anleger weiter­hin eine erheb­li­che Belastung für den Aktienmarkt darstellt. Als Reaktion der Notenbanken erwar­ten wir besänf­ti­gende Worte sowie eine Entlastung durch eine Verlangsamung der geplan­ten Zinsanhebungen. Zu gross ist im aktu­el­len Umfeld die Angst, eine Welle von Bankenpleiten auszu­lö­sen und das Vertrauen in ein funk­tio­nie­ren­des Finanzsystem aufs Spiel zu setzen.

Davon profi­tie­ren dürf­ten sowohl die zins­sen­si­ti­ven Technologiewerte als auch Gold, welches zudem als siche­rer Hafen dient. Die jüng­sten Ereignisse führen zu einem zuneh­men­dem Vertrauensverlust in den Finanzsektor und bela­sten die Märkte erheb­lich. Erinnerungen an die letzte Finanzkrise stecken vielen Marktteilnehmern noch in den Knochen. Wir beur­tei­len die Situation verhal­ten posi­tiv und erwar­ten momen­tan keine globale Bankenkrise.

Taktische Anlageallokation Livalor

Wir nutzen den jüng­sten Taucher an den Aktienmärkten und erhö­hen unsere Aktienquote von unter­ge­wich­tet auf neutral. Positionen in Goldminenaktien, US-Technologiewerten und Bankentitel in der Eurozone werden von uns auf takti­scher Ebene über­ge­wich­tet. Im Bereich Obligationen fokus­sie­ren wir uns mehr denn je auf eine sehr gute Schuldnerqualität.

  • Geldmarkt
    Leichte Reduktion. Allokation verbleibt jedoch über neutra­ler Quote.
  • Anleihen
    Untergewichtet versus Strategie.
  • Aktien
    Neutrale Allokation.
  • Alternative Anlagen
    Neutrale Allokation.

Disclaimer. Diese Publikation wird von der Livalor Vermögensverwaltung AG, Zürich und Vaduz, heraus­ge­ge­ben und dient ausschliess­lich der allge­mei­nen Information. Sie stellt weder eine Aufforderung, ein Angebot noch eine ausdrück­li­che oder konklu­dente Empfehlung in Bezug auf einzelne Finanzinstrumente, Emittenten, Sektoren, Märkte oder eine Vermögensallokation dar, noch eine Aufforderung zur Vornahme irgend­ei­ner Transaktion. Beispielhaft beschrie­bene Marktmechanismen dienen ausschliess­lich der Veranschaulichung und bezwecken weder die Identifikation noch die Beurteilung bestimm­ter Unternehmen oder Instrumente. Diese Publikation stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar und ist nicht auf die Verhältnisse einzel­ner Empfänger zuge­schnit­ten; vor Anlageentscheidungen empfeh­len wir den Beizug einer quali­fi­zier­ten Fachperson. Durch die Lektüre entsteht kein Kunden- oder Beratungsverhältnis.  Die enthal­te­nen Informationen beru­hen auf Quellen, die wir als zuver­läs­sig erach­ten, ohne dass wir deren Vollständigkeit oder Richtigkeit gewähr­lei­sten. Sie geben den Stand zum Zeitpunkt der Erstellung wieder, können sich jeder­zeit ändern und werden nicht aktua­li­siert. Frühere Marktphasen sind kein verläss­li­cher Indikator für künf­tige Ergebnisse; zukunfts­ge­rich­tete Einschätzungen beru­hen auf Annahmen und sind mit Unsicherheiten verbun­den, sodass tatsäch­li­che Entwicklungen erheb­lich abwei­chen können. Die Livalor Vermögensverwaltung AG und die von ihr verwal­te­ten Portfolios können Positionen in Instrumenten der hier ange­spro­che­nen Art halten. Diese Publikation rich­tet sich nicht an eine bestimmte Rechtsordnung und begrün­det in keiner Rechtsordnung ein Angebot, eine Aufforderung oder die Erbringung von Anlageberatungs- oder Vermögensverwaltungsdienstleistungen. Die Livalor Vermögensverwaltung AG bietet ihre Dienstleistungen ausschliess­lich in Rechtsordnungen an, in denen sie hierzu bewil­ligt ist. Wer diese Publikation abruft oder sich aufgrund davon an uns wendet, handelt aus eige­ner Initiative und ist für die Einhaltung des für ihn gelten­den Rechts selbst verant­wort­lich; eine solche Kontaktaufnahme verpflich­tet uns nicht zur Erbringung von Dienstleistungen. Soweit gesetz­lich zuläs­sig, über­neh­men wir keine Haftung für Schäden, die aus dem Vertrauen auf diese Publikation entste­hen. Eine Vervielfältigung, auch auszugs­weise, bedarf unse­rer vorhe­ri­gen schrift­li­chen Zustimmung.

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