4. April 2019

Wolken im Paradies

FLASH – REPORT Nr. 1 / 2019

Vergangene Woche verkün­dete die US-Notenbank der Öffentlichkeit, dass es 2019 keine Leitzinserhöhungen geben werde. Positiv an dieser Nachricht ist die Tatsache, dass es weiter­hin keine valablen Alternativen zu Aktien gibt und der Anlagenotstand anhal­ten dürfte. Zu denken könnte Investoren jedoch geben, dass die Notenbank die Konjunkturaussichten mit einem Wachstum von 2.1% (bisher 2.3%) leicht einge­trübt sieht und deshalb zu unter­stüt­zen­den Massnahmen greift.

Die Antwort der Investoren lässt keine Zweifel aufkom­men, dass Aktien das Mass aller Dinge sind –  gedämpf­tes Wachstum in China hin oder her. Ob die Bewertungen vieler Gesellschaften reali­sti­sche Gewinnaussichten wider­spie­geln oder viel­mehr auf Grund kaum vorhan­de­ner alter­na­ti­ver Anlagemöglichkeiten die Aktienkurse weiter stei­gen, liegt zu einem erheb­li­chen Teil in den Händen der Notenbanken. Das Halten von Cash wird in Europa inklu­sive der Schweiz in Form von Negativzinsen bestraft. Dabei ist es für den Sparer und Anleger durch­aus nicht dasselbe, ob Zinsen im posi­ti­ven Bereich gesenkt werden oder die Belastung im nega­ti­ven Bereich erhöht wird. Letzteres führt zu äusserst opti­mi­sti­schen Unternehmensbewertungen und kann von den Notenbanken, welche para­do­xer­weise eben­falls Aktionäre sind, sehr lange gestützt werden.

Schulden machen ist attraktiv

Das aktu­elle Zinsumfeld führt dazu, dass die Aufnahme von Fremdkapital vergleichs­weise günstig ist und sich zuneh­mend Unternehmungen am Kapitalmarkt tummeln, welche die Gunst der Stunde ausnut­zen möch­ten. Bei dünnem Eigenkapitalpolster profi­tie­ren die Aktionäre, ähnlich einer fremd­fi­nan­zier­ten Übernahme (lever­a­ged buyout), von tiefen Kapitalkosten und hohen Eigenkapitalrenditen – aller­dings nur so lange, bis die Gewinndynamik nachlässt.

Auch für viele euro­päi­sche Staatshaushalte sind die günsti­gen Kredite ein Segen und redu­zie­ren den Druck, eine nach­hal­tige Haushaltpolitik einzuschlagen.

Steht uns ein Japan-Szenario bevor?

Die euro­päi­schen Währungshüter sind bereits in diesem Szenario gefan­gen. Zum Vergleich: In den 90er Jahren begann die Bank of Japan mit ihrer Nullzins-Politik und legte im Jahr 2001 erst­mals ein so genann­tes Quantitatives-Lockerungs-Programm (QE) auf, bei dem sie in grossem Stil lang­lau­fende Staatsanleihen kaufte. Doch obwohl die Notenbank das Ankaufprogramm 2006 been­dete und ihre Bilanz zu schrump­fen begann, stie­gen die Renditen für japa­ni­sche Staatsanleihen nur leicht. Japan liegt seit langem in einer Phase von Stagnation.

Japanisierung – eine Kombination aus beschei­de­nem, nied­ri­ger Inflation und tiefen Zinsen.

Zwischen Angst und Gier 

Alles in allem geniest der Aktienmarkt weiter­hin viel Unterstützung. Allerdings weni­ger dank posi­ti­ven Konjunktur- und Gewinnaussichten als viel­mehr wegen dem ungün­sti­gen Umfeld für Anlagealternativen. Das Börsen-Bonmot „Zwischen Angst und Gier“ trifft das aktu­elle Befinden wohl am besten. Genau diese Angst wird auch zu über­ra­schen­den Korrekturen führen. Dafür möch­ten wir trotz freund­li­chem Umfeld gerü­stet blei­ben und uns punk­tu­ell vor Börsenkapriolen schützen. 

Taktische Anlageallokation Livalor

Seit der Finanzkrise haben die Zentralbanken eine neue Rolle über­nom­men und sich vom „Marktstabilisator“ zum „Market Maker“ entwickelt. Durch die unkon­ven­tio­nelle Geldpolitik und die exzes­sive Ausdehnung der Bilanzen haben sie die Finanzpreise und somit uns Investoren unmit­tel­bar beeinflusst.

Unverändert sind wir trotz posi­ti­ven Rahmenbedingungen der Auffassung, dass wachs­tums­ori­en­tierte Vermögenswerte aufgrund einer Abschwächung der globa­len Wirtschaftstätigkeit eher gefähr­det sind.

Es scheint uns, dass die Aktienrally weni­ger durch makro­öko­no­mi­sche Fundamentaldaten oder Unternehmensbewertungen gestützt wird als viel­mehr durch den Preis der Liquiditätshaltung. Daher halten wir an der eher vorsich­ti­gen takti­schen Positionierung fest.

  • Geldmarkt
    Hoher Cash-Bestand in Relation zur stra­te­gi­schen Gewichtung.
  • Anleihen
    Allokation am unte­ren Ende der takti­schen Bandbreite, kurze Duration, eher hoher Qualitätsanspruch.
  • Aktien
    Das Aktienkursrisiko durch den Einsatz von Kapitalschutzprodukten (Aktien USA und Aktien Schwellenländer) untergewichtet.
  • Alternative Anlagen
    Unveränderte Allokation in Gold und liquide alter­na­tive Anlagen.

Disclaimer. Diese Publikation wird von der Livalor Vermögensverwaltung AG, Zürich und Vaduz, heraus­ge­ge­ben und dient ausschliess­lich der allge­mei­nen Information. Sie stellt weder eine Aufforderung, ein Angebot noch eine ausdrück­li­che oder konklu­dente Empfehlung in Bezug auf einzelne Finanzinstrumente, Emittenten, Sektoren, Märkte oder eine Vermögensallokation dar, noch eine Aufforderung zur Vornahme irgend­ei­ner Transaktion. Beispielhaft beschrie­bene Marktmechanismen dienen ausschliess­lich der Veranschaulichung und bezwecken weder die Identifikation noch die Beurteilung bestimm­ter Unternehmen oder Instrumente. Diese Publikation stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar und ist nicht auf die Verhältnisse einzel­ner Empfänger zuge­schnit­ten; vor Anlageentscheidungen empfeh­len wir den Beizug einer quali­fi­zier­ten Fachperson. Durch die Lektüre entsteht kein Kunden- oder Beratungsverhältnis.  Die enthal­te­nen Informationen beru­hen auf Quellen, die wir als zuver­läs­sig erach­ten, ohne dass wir deren Vollständigkeit oder Richtigkeit gewähr­lei­sten. Sie geben den Stand zum Zeitpunkt der Erstellung wieder, können sich jeder­zeit ändern und werden nicht aktua­li­siert. Frühere Marktphasen sind kein verläss­li­cher Indikator für künf­tige Ergebnisse; zukunfts­ge­rich­tete Einschätzungen beru­hen auf Annahmen und sind mit Unsicherheiten verbun­den, sodass tatsäch­li­che Entwicklungen erheb­lich abwei­chen können. Die Livalor Vermögensverwaltung AG und die von ihr verwal­te­ten Portfolios können Positionen in Instrumenten der hier ange­spro­che­nen Art halten. Diese Publikation rich­tet sich nicht an eine bestimmte Rechtsordnung und begrün­det in keiner Rechtsordnung ein Angebot, eine Aufforderung oder die Erbringung von Anlageberatungs- oder Vermögensverwaltungsdienstleistungen. Die Livalor Vermögensverwaltung AG bietet ihre Dienstleistungen ausschliess­lich in Rechtsordnungen an, in denen sie hierzu bewil­ligt ist. Wer diese Publikation abruft oder sich aufgrund davon an uns wendet, handelt aus eige­ner Initiative und ist für die Einhaltung des für ihn gelten­den Rechts selbst verant­wort­lich; eine solche Kontaktaufnahme verpflich­tet uns nicht zur Erbringung von Dienstleistungen. Soweit gesetz­lich zuläs­sig, über­neh­men wir keine Haftung für Schäden, die aus dem Vertrauen auf diese Publikation entste­hen. Eine Vervielfältigung, auch auszugs­weise, bedarf unse­rer vorhe­ri­gen schrift­li­chen Zustimmung.

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