18. Dezember 2019

Macht und Ohnmacht der Währungshüter

FLASH – REPORT Nr. 4 / 2019

Das zur Neige gehende Jahr darf schon heute in vieler­lei Hinsicht als ausser­ge­wöhn­lich bezeich­net werden. Die Finanzmärkte, allen voran der Aktienmarkt, zeig­ten sich erfreu­lich robust und weisen solide Renditen aus. Einige Börsenindizes haben sogar neue Höchststände erklommen.

Zwei zentrale Fragen stan­den und stehen dabei immer noch im Vordergrund:

  1. Weshalb igno­rie­ren die Marktteilnehmer das rück­läu­fige Wirtschaftswachstum?
  2. Welche risi­ko­freien Investitionsalternativen bieten sich an?

Die fulmi­nante Entwicklung an den Aktienmärkten basiert mit Sicherheit nicht auf der sich abzeich­nen­den wirt­schaft­li­chen Abkühlung. Vielmehr schei­nen fehlende Investitionsalternativen und das Prinzip von Angebot und Nachfrage mass­geb­li­chen Rückhalt zu geben. Auf den Punkt gebracht domi­niert die Frage: Wohin mit dem Geld?!

Zwar ist das Parkieren von Liquidität bei Banken/Notenbanken nach wie vor möglich, nur ist damit insbe­son­dere in Europa eine nega­tive Rendite bereits vorpro­gram­miert. Keine beson­ders attrak­ti­ven Aussichten, wenn doch die Anlageklasse Aktien derart posi­tive Erträge in Aussicht stellt. Am Ende einer solchen Entwicklung stehen meist exogene Faktoren oder eine nega­tive Preisdynamik, welche uns mit der Frage zurück­lässt: „Weshalb diese plötz­li­che Kehrtwende? Es hat sich doch funda­men­tal nichts verändert.“ 

In einem solchen Szenario werden die Notenbanken gefor­dert sein und die Sparer, zur Aufrechterhaltung der Finanzstabilität, in Form von Negativzinsen zur Kasse gebe­ten – alles zum Wohle der Aktionäre. Ein Kräftemessen sowie das Abwägen von Chancen und Risiken werden statt­fin­den. Namentlich die Frage, ob das Bezahlen von Negativzinsen gegen­über einem risi­ko­be­haf­te­ten Aktienengagement vorzu­zie­hen sei. Keine einfa­che Entscheidung. 

Aber noch gibt es keine Anzeichen rück­läu­fi­ger Aktienkurse, wenn­gleich bei genaue­rer Betrachtung die Sektoren- und Titelselektion bereits 2019 mass­geb­lich für den Anlageerfolg verant­wort­lich waren. Wer auf Ebene Sektoren die euro­päi­sche Finanzbranche oder  Basiskonsumgüter gleich­ge­wich­tet favo­ri­sierte, büsste gegen­über den Sektoren IT, Gesundheit und Nicht-Basiskonsumgüter eini­ges an Performance ein. Innerhalb der Sektoren war das Bild eben­falls keines­wegs einheit­lich. Während beispiels­weise Pirelli, BMW und Carnival 2019 wenig Anlass zur Freude gaben, waren Zalando und Volkswagen sehr begehrt – nota­bene alles Titel aus dem Sektor Nicht-Basiskonsumgüter. Ein soge­nann­ter „No-Brainer“ war das ablau­fende Jahr mit Sicherheit nicht.

Wie weiter im neuen Jahr?

Die expan­sive Geldpolitik und somit der Haupttreiber der Hausse dürfte auch im neuen Jahr das Geschehen prägen. Eine neuer­li­che Performance im Umfang der letz­ten 12 Monate erach­ten wir jedoch als höchst unwahr­schein­lich, zumal für ökono­mi­sche Baustellen, beispiels­weise der sich zu einem Flächenbrand auswei­tende Handelskrieg, kaum nach­hal­tige Lösungen bereit stehen. Zwar erwar­ten wir 2020 keine Rezession in Bezug auf die Weltwirtschaft, jedoch verhal­te­nes Wachstum bei sehr tiefer Inflation. Die Märkte erfreuen sich im aktu­el­len Umfeld an solchen Szenarien, weshalb wir Aktien zum Einstieg ins neue Jahr auf „neutral“ gewich­ten werden.

Blick über den demo­gra­fi­schen Tellerrand

Erhebliche Auswirkungen wird der demo­gra­fi­sche Wandel der kommen­den Jahre mit sich brin­gen. Die Überalterung in Japan, Europa, China und den USA beein­flusst den Arbeitsmarkt und ergo deren Volkswirtschaften zuneh­mend, von der Rentenfinanzierung ganz zu schweigen.

In den kommen­den zehn Jahren werden in der Schweiz mehr als eine Million Menschen beren­tet. Per 2029 werden nach heuti­ger Einschätzung rund 18‘500 mehr Erwerbstätige den Schweizer Arbeitsmarkt verlas­sen als neue nachrücken. 

Noch ist es verfrüht zu defi­nie­ren, welche Auswirkungen die sich abzeich­nende Entwicklung auf unsere Titelselektion haben wird. Zudem dürfte der tech­ni­sche Fortschritt einen Teil der Nachfrage nach Arbeitskräften kompensieren.

Taktische Anlageallokation Livalor

Unseres Erachtens wird 2020 die Aufwärtsbewegung der Aktienkurse insge­samt anhal­ten. Das Anstiegspotenzial erach­ten wir jedoch als eher gering (einstel­lig). Während sich das Wachstum in den entwickel­ten Ländern verlang­samt, wird es in den Schwellenländer leicht anzie­hen. Wachstumsdivergenzen zwischen Schwellenländern und entwickel­ten Industienationen sahen wir zuletzt 2016 und 2007. Beide Male haben sich Aktien und Anleihen von Schwellenländern posi­tiv entwickelt.

  • Geldmarkt
    Hohe Gewichtung im Vergleich zur Strategie. Teilersatz für Anleihenengagements, welche keine oder gar nega­tive Verfallrenditen aufweisen.
  • Anleihen
    Renditen von Staatsanleihen entwickel­ter Länder werden tief oder nega­tiv blei­ben. Wir erwar­ten posi­tive Renditen für Anleihen aus Schwellenländern und bauen dort eine Position auf. Wir erhö­hen somit die Anlageallokation, blei­ben jedoch in der Anlageklasse weiter­hin untergewichtet. 
  • Aktien
    Wir behal­ten unsere neutrale Haltung bei. 
  • Alternative Anlagen
    Neben liqui­den Alternativen Anlagen setzen wir weiter­hin auf Gold. Der Goldpreis wird bei poli­ti­schen Spannungen oder wach­sen­dem Misstrauen gegen­über den Zentralbanken weitere Unterstützung erhalten.

Disclaimer. Diese Publikation wird von der Livalor Vermögensverwaltung AG, Zürich und Vaduz, heraus­ge­ge­ben und dient ausschliess­lich der allge­mei­nen Information. Sie stellt weder eine Aufforderung, ein Angebot noch eine ausdrück­li­che oder konklu­dente Empfehlung in Bezug auf einzelne Finanzinstrumente, Emittenten, Sektoren, Märkte oder eine Vermögensallokation dar, noch eine Aufforderung zur Vornahme irgend­ei­ner Transaktion. Beispielhaft beschrie­bene Marktmechanismen dienen ausschliess­lich der Veranschaulichung und bezwecken weder die Identifikation noch die Beurteilung bestimm­ter Unternehmen oder Instrumente. Diese Publikation stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar und ist nicht auf die Verhältnisse einzel­ner Empfänger zuge­schnit­ten; vor Anlageentscheidungen empfeh­len wir den Beizug einer quali­fi­zier­ten Fachperson. Durch die Lektüre entsteht kein Kunden- oder Beratungsverhältnis.  Die enthal­te­nen Informationen beru­hen auf Quellen, die wir als zuver­läs­sig erach­ten, ohne dass wir deren Vollständigkeit oder Richtigkeit gewähr­lei­sten. Sie geben den Stand zum Zeitpunkt der Erstellung wieder, können sich jeder­zeit ändern und werden nicht aktua­li­siert. Frühere Marktphasen sind kein verläss­li­cher Indikator für künf­tige Ergebnisse; zukunfts­ge­rich­tete Einschätzungen beru­hen auf Annahmen und sind mit Unsicherheiten verbun­den, sodass tatsäch­li­che Entwicklungen erheb­lich abwei­chen können. Die Livalor Vermögensverwaltung AG und die von ihr verwal­te­ten Portfolios können Positionen in Instrumenten der hier ange­spro­che­nen Art halten. Diese Publikation rich­tet sich nicht an eine bestimmte Rechtsordnung und begrün­det in keiner Rechtsordnung ein Angebot, eine Aufforderung oder die Erbringung von Anlageberatungs- oder Vermögensverwaltungsdienstleistungen. Die Livalor Vermögensverwaltung AG bietet ihre Dienstleistungen ausschliess­lich in Rechtsordnungen an, in denen sie hierzu bewil­ligt ist. Wer diese Publikation abruft oder sich aufgrund davon an uns wendet, handelt aus eige­ner Initiative und ist für die Einhaltung des für ihn gelten­den Rechts selbst verant­wort­lich; eine solche Kontaktaufnahme verpflich­tet uns nicht zur Erbringung von Dienstleistungen. Soweit gesetz­lich zuläs­sig, über­neh­men wir keine Haftung für Schäden, die aus dem Vertrauen auf diese Publikation entste­hen. Eine Vervielfältigung, auch auszugs­weise, bedarf unse­rer vorhe­ri­gen schrift­li­chen Zustimmung.

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