29. September 2021

Gratwanderung Geldpolitik

FLASHREPORT Nr. 3 / 2021

Ob und wann die ameri­ka­ni­sche Zentralbank FED die Drosselung der Anleihekäufe (Tapering) star­tet, war das viel­leicht meist­dis­ku­tierte Thema unter den Finanzmarktteilnehmern. Die erste Drosselung wird nun voraus­sicht­lich noch vor Ende Jahr 2021 vollzogen.

Ursprünglich wurde die Idee der Ausweitung der Geldbasis von der Bank of Japan entwickelt und seit­her von den Vereinigten Staaten und ande­ren Ländern über­nom­men. Dabei war stets erklär­tes Ziel, durch den Kauf von Staatsanleihen seitens Zentralbanken die Wirtschaft mit günsti­ger Liquidität zu versor­gen, in der Folge das Wachstum anzu­kur­beln und letzt­end­lich einen kontrol­lier­ten Anstieg der Inflation herbeizuführen.

Zurzeit sehen wir hohe Steigerungsraten in Bezug auf Wirtschaftswachstum und Unternehmensgewinne. Durch die damit einher­ge­hende, höhere Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, verbun­den mit Rohstoffknappheit und Fachkräftemangel, steigt die Inflation nun mess­bar. Allerdings rela­ti­viert der einma­lige Basiseffekt (tiefe Ausgangslage als Folge der Verwerfungen im Jahr 2020) die Preisentwicklung massgeblich.

Vertrauen als schlüssel

Politik, Wirtschaft und Privathaushalte verlas­sen sich aktu­ell welt­weit auf tief­blei­bende Zinsen. Sei es wegen einem bestehen­den Hypothekarkredit,  den exor­bi­tan­ten Staatsdefiziten oder ande­ren Verbindlichkeiten. Es ist somit verständ­lich, dass gerade die US-Zentralbank vor dieser Ausgangslage sehr behut­sam agiert. Vorsicht ist auch tatsäch­lich gebo­ten, denn bereits rheto­ri­sche Spitzfindigkeiten der Notenbanker könn­ten zu einer veri­ta­blen Schuldenkrise führen. Aktuell jedoch vertrauen die Marktteilnehmer den Konzepten und Fähigkeiten der Währungshüter – dem Fundament für Finanzstabilität.

Generell profi­tie­ren Schuldner von nega­ti­ven Realzinsen, während Gläubiger darun­ter leiden. Dies führt dazu, dass kurz­fri­stig eine hohe Staatsverschuldung keine erheb­li­chen Auswirkungen auf die laufende Rechnung haben, jedoch eine hohe Sensitivität gegen­über stei­gen­den Zinsen entsteht.

Sparer, aber auch Pensionskassen, haben demge­gen­über Schwierigkeiten, ihr Vermögen bei mode­ra­tem Risiko mit posi­ti­ver erwar­te­ter Rendite anzu­le­gen. Das schlägt sich nicht zuletzt auf die persön­li­che Altersrentenentwicklung nieder.

Die realen Renditen im Euroland (Renditen nach Abzug der Inflation) liegen auf einem Rekordtief

Die realen Renditen in Deutschland sind seit nunmehr 5 Jahren negativ

 

Die Märkte

Zeiten mit tiefen Renditen bzw. nega­ti­ven realen Renditen sind Nährboden für eine starke Performance eini­ger Anlageklassen. Gerade Aktien und Immobilien gingen durch die Decke. Aber auch der Weg des Geldes ins Reich der virtu­el­len Währungen, der Kunst und des exklu­si­ven Weines ist damit geeb­net. Es gibt viel günsti­ges Geld, welches ein Ventil bzw. eine Investitionsgelegenheit sucht. Mit Ausnahme der Kryptowährungen haben diese Anlagemöglichkeiten eines gemein: Inflation und höhere Zinsen brem­sen sie aus.

Dieses Damoklesschwert schwebt über den Märkten und lässt diese aktu­ell immer wieder inne­hal­ten. Eine durch­aus gesunde Entwicklung in diesem fort­ge­schrit­te­nen Stadium des Wachstumszyklus.

Taktische Anlageallokation Livalor

Angesichts dieser Aussichten posi­tio­nie­ren wir uns, nach­dem wir zu Recht opti­mi­stisch ins Jahr gestar­tet sind, wieder etwas zurück­hal­ten­der in Bezug auf Aktien. Es sind die Erwartungen und Einschätzungen, welche die Märkte steu­ern, und weni­ger die aktu­el­len Wirtschaftszahlen. Wachstumstitel sind darüber hinaus aufgrund ihrer Bilanzstruktur etwas anfäl­li­ger auf höhere Zinsen und weisen in vielen Fällen bereits hohe Kurs/Gewinn-Verhältnisse aus.

Gold könnte in diesem Umfeld eine erste Renaissance erfah­ren, weshalb wir an unse­rer Allokation festhalten.

Ganz gene­rell redu­zie­ren wir die Risiken in den von uns betreu­ten Portfolios leicht.

  • Geldmarkt
    Leicht erhöht gegen­über der Vorperiode.
  • Anleihen
    Untergewichtet rela­tiv zur Strategie, kurze Duration.
  • Aktien
    Die Übergewichtung wurde Anfang August redu­ziert und Gewinne reali­siert. Zurzeit sind wir neutral bis leicht über­ge­wich­tet positioniert.
  • Alternative Anlagen
    Nachdem wir letz­tes Jahr den Gewinn auf unse­ren Goldpositionen reali­siert hatten, inve­stier­ten wir anschlie­ssend den Erlös in Goldprodukte mit Kapitalschutz. Diese takti­sche Absicherung hat sich bezahlt gemacht, ist doch Gold seit­her um rund 15% gefal­len. Seit August sind wir nun in passive Gold-Fonds investiert.

Disclaimer: Die in diesem Dokument enthal­te­nen Informationen und Ansichten beru­hen auf Quellen, die wir als zuver­läs­sig erach­ten. Dennoch können wir weder für die Zuverlässigkeit noch für die Vollständigkeit oder Richtigkeit dieser Quellen garan­tie­ren. Diese Informationen und Ansichten begrün­den weder eine Aufforderung noch ein Angebot oder eine Empfehlung zum Erwerb oder Verkauf von Anlageinstrumenten oder zur Tätigung sonsti­ger Transaktionen. Interessierten Investoren empfeh­len wir drin­gend, eine quali­fi­zierte Fachperson zu konsul­tie­ren, bevor sie auf der Basis dieses Dokumentes Entscheidungen fällen, damit persön­li­che Anlageziele, finan­zi­elle Situation, indi­vi­du­elle Bedürfnisse und Risikoprofil, recht­li­che und steu­er­li­che Aspekte sowie weitere Informationen im Rahmen einer umfas­sen­den Beratung gebüh­rend berück­sich­tigt werden können. Diese Publikation ist nicht für Personen bestimmt, die einer Rechtsordnung unter­ste­hen, die die Verteilung dieser Publikation verbie­ten oder von einer Bewilligung abhän­gig machen. Personen, in deren Besitz diese Publikation gelangt, müssen sich daher über etwaige Beschränkungen infor­mie­ren und diese einhalten.

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