FLASH – REPORT Nr. 2 / 2021
Nach einer starken Performance der Aktien- und Rohstoffmärkte im ersten Halbjahr 2021 beobachten wir derzeit eine Phase der Neuorientierung mit Anzeichen leichter Verunsicherung. Inflation und das globale Wirtschaftswachstum werden kontrovers diskutiert und die Märkte reagieren stärker auf kurzfristige Impulse.
Wir erachten diese Faktoren als von vorübergehender Natur und rechnen nicht damit, dass insbesondere inflationäre Tendenzen die Notierungen nachhaltig drücken werden. Eine Zäsur inmitten des markanten Aufschwungs beschreibt das aktuelle Befinden der Akteure wohl besser.
Zwar richten auch wir ein genaues Augenmerk auf die anstehenden Inflationszahlen und –erwartungen, trägt doch die Lohnentwicklung weit mehr zur Teuerung bei als die Preisentwicklung auf Rohstoffen. Die aktuell höhere Nachfrage nach verschiedenen Konsum- und Investitionsgütern ist dem Nachholbedarf geschuldet und somit als temporäres Phänomen zu betrachten. Die Güterinflation wird in der Folge aufgrund gestiegener Lagervorräte abnehmen und schon bald zu Preisdruck führen, eventuell sogar einen deflationären Effekt haben.
Auch ein Anstieg der langfristigen Renditen muss für Aktien keine dramatischen Folgen haben, sofern Wirtschaftswachstum und/oder Inflation höher sind, was negative reale Renditen bedeuten würde.
Die einfachen Reflationsgeschäfte – namentlich Wachstums- versus Substanzwerte, Zykliker versus defensive Titel, Small Caps versus Large Caps – die sich nach den vielversprechenden Forschungsergebnissen bei der Impfstoffherstellung im November 2020 gut entwickelt hatten, liessen im zweiten Quartal 2021 nach. Wir sind der Auffassung, dass die meisten Faktoren, welche sich gegen Reflationsgeschäfte gewandt haben, sich wieder abschwächen werden. Das breite makroökonomische Umfeld unterstützt weiterhin Aktien. Die Bewertungen für Wachstumsaktien hingegen erscheinen uns immer noch relativ ambitioniert.
Es sind jedoch weniger die hohen Bewertungen per se, welche wir als Risiko wahrnehmen, sondern vielmehr die Anfälligkeit im Falle eines negativen Katalysators. Dazu zählen wir beispielsweise einen schnellen und starken Anstieg der Leitzinsen – unserer Ansicht nach jedoch kein wahrscheinliches Szenario. Alleine die teilweise überbordenden Staatsschulden erlauben kein Anheben der kurzfristigen Zinsen. Allerdings ist es denkbar, dass die Zinsstrukturkurven zumindest vorübergehend steiler werden, bei anhaltend tiefen und teilweise negativen kurzfristigen Renditen.

Taktische Anlageallokation Livalor
Die Zeiten, in welchen Aktien und deren Performance primär durch die gütige Unterstützung der Zentralbanken getrieben worden sind, neigen sich langsam dem Ende zu. Der Fokus wird bei relativ stabiler Geldpolitik wohl eher auf fundamentalen Parametern wie dem Gewinnwachstum liegen.
Auf relativer Ebene sollte dieser Übergang zu einer besseren Bewertung in denjenigen Sektoren, Bereichen und Regionen führen, in welchen wir übergewichtet sind. Dies sind:
– Style: Value
– Marktkapitalisierung: Small-Mid Caps
– Region: Europa
Per Anfang Mai haben wir in Renminbi emittierte chinesische Staatsanleihen in unsere taktische Allokation aufgenommen. Die schiere Grösse und das Wachstum des chinesischen Bondmarktes machen ihn zu bedeutend, um ihn in Zukunft zu ignorieren. China ist der drittgrösste Markt für Staatsanleihen und wächst schnell. Zudem wird die Bedeutung des chinesischen Schuldenmarktes durch die jüngsten Indexankündigungen (Aufnahme oder Erhöhung der Gewichtung in bedeutenden Benchmarks) hervorgehoben. Chinesische Staatsanleihen haben das Potenzial, im Vergleich zu anderen Märkten für Staatsanleihen, eine hohe Rendite zu erzielen (aktuell 3.10%). Zudem weisen sie eine geringere Volatilität auf und korrelieren nur wenig mit anderen festverzinslichen Märkten.
- Geldmarkt
Anhaltend tiefe Cashquote. - Anleihen
Stark untergewichtet gegenüber der Strategie, kurze Duration. - Aktien
Übergewichtet gegenüber der Strategie. - Alternative Anlagen
Neutrale Gewichtung in liquiden alternativen Anlagen. Zudem halten wir an unseren kapitalgeschützten Goldstrukturen fest.

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