17. März 2026

Wenn Künstliche Intelligenz das Makroregime neu schreibt

FLASHREPORT Nr. 1 / 2026

Der mili­tä­ri­sche Konflikt im Nahen Osten hat sich zuletzt deut­lich über die Konfrontation zwischen den USA, Israel und dem Iran ausge­wei­tet und führte an den Finanzmärkten zu erheb­li­cher Unsicherheit – mit spür­ba­ren Korrekturen an den globa­len Aktienmärkten sowie markant höhe­ren Notierungen beim Ölpreis. Dieser zog spür­bar an, da Investoren eine höhere Versorgungsrisikoprämie einpreisten.

Terminstruktur der Brent-Rohöl-Futures

In der Folge stie­gen auch die Inflationserwartungen an den Finanzmärkten, da höhere Energiepreise häufig brei­ter auf die Preisentwicklung wirken. Dies führte welt­weit zu höhe­ren Renditen von Staatsanleihen. Gleichzeitig zeigte sich der US-Aktienmarkt vergleichs­weise wider­stands­fä­hig. Ein wich­ti­ger Grund liegt in der hohen Energieunabhängigkeit der Vereinigten Staaten, welche die wirt­schaft­li­che Verwundbarkeit gegen­über stei­gen­den Energiepreisen reduziert.

Während diese Entwicklungen vor allem kurz­fri­stige Risiken wider­spie­geln, rich­tet sich der stra­te­gi­sche Blick zuneh­mend auf einen struk­tu­rel­len Treiber: Künstliche Intelligenz (KI).

Innerhalb weni­ger Jahre hat sich KI von einem tech­no­lo­gi­schen Zukunftsthema zu einem zentra­len Faktor wirt­schaft­li­cher Dynamik entwickelt. Unternehmen inte­grie­ren entspre­chende Anwendungen zuneh­mend in ihre opera­ti­ven Prozesse und berich­ten bereits von mess­ba­ren Effizienzgewinnen – insbe­son­dere in daten­in­ten­si­ven Bereichen. Noch steht diese Entwicklung am Anfang. Doch sollte es gelin­gen, die entste­hen­den Produktivitätsgewinne brei­ter in die Realwirtschaft zu über­tra­gen, könnte KI das Wachstumspotenzial vieler Volkswirtschaften nach­hal­tig verändern.

Parallel dazu erlebt die Weltwirtschaft derzeit einen ausser­ge­wöhn­li­chen Investitionszyklus. Infrastruktur, Halbleiterkapazitäten und Software stehen im Zentrum eines globa­len Investitionsschubs. Die grossen Technologieunternehmen inve­stie­ren inzwi­schen jähr­lich mehrere hundert Milliarden Dollar in Rechenzentren, Chips und digi­tale Infrastruktur. Die zugrunde liegende Erwartung ist klar: Ein tech­no­lo­gi­scher Produktivitätsschub könnte höhe­res Wachstum ermög­li­chen, ohne dass die Inflation dauer­haft steigt.

Historisch verlau­fen Produktivitätsrevolutionen jedoch selten linear. In Volkswirtschaften mit altern­der Bevölkerung kann stär­ke­res Wachstum schnel­ler in Lohn- und Preisdruck über­ge­hen als erwar­tet. In einem solchen Szenario könn­ten Finanzmärkte, die derzeit stark auf Produktivitätseffekte setzen, zu opti­mi­stisch posi­tio­niert sein.

Ebenso plau­si­bel ist ein ande­res Übergangsszenario: Anders als frühere tech­no­lo­gi­sche Umbrüche betrifft KI zuneh­mend kogni­tive Tätigkeiten – von Analyse über Recht bis zur Programmierung. Produktivitätsgewinne könn­ten zunächst stär­ker Unternehmen und Investoren zuflie­ssen, während sich Arbeitsmärkte erst allmäh­lich anpas­sen. Gelingt diese Anpassung rasch, entste­hen neue Industrien und Geschäftsmodelle. Erfolgt sie lang­sa­mer, könn­ten Übergangsverluste, poli­ti­sche Spannungen und stär­kere regu­la­to­ri­sche Eingriffe folgen.

Damit steht ein Teil der globa­len Konjunkturdynamik zuneh­mend auf dem Fundament des KI-Investitionsbooms. Das Potenzial ist erheb­lich, ebenso jedoch das Risiko von Überinvestitionen und Fehlallokationen. Für Anleger wird deshalb weni­ger die reine Wachstumsfrage entschei­dend sein als viel­mehr die Stabilität des Übergangs in ein neues tech­no­lo­gi­sches Regime.

Taktische Anlageallokation Livalor

Der mili­tä­ri­sche Konflikt im Nahen Osten hat die Risikowahrnehmung an den Finanzmärkten spür­bar erhöht. Die Folge waren stär­kere Kursausschläge und eine erhöhte Volatilität. Trotz dieser Belastungsfaktoren bleibt das Vertrauen der Anleger bislang bemer­kens­wert stabil.

Innerhalb der Anlageklassen nehmen wir keine grund­le­gen­den Veränderungen vor, setzen jedoch selek­tive Akzente zugun­sten der Schwellenländer, die derzeit attrak­ti­vere Wachstums- und Ertragsperspektiven bieten. Für Schwellenländer blei­ben die globa­len Finanzierungsbedingungen weiter­hin der zentrale Treiber. Trotz der geopo­li­ti­schen Spannungen im Nahen Osten erschei­nen diese bislang weit­ge­hend stabil.

Unsere takti­sche Positionierung bleibt insge­samt konstruk­tiv – zugleich jedoch klar selek­tiv und diszipliniert.

  • Geldmarkt
    Übergewichtete Allokation versus Strategie.
  • Anleihen
    Untergewichtete Allokation versus Strategie.
  • Aktien
    Übergewichtete Allokation versus Strategie.
  • Alternative Anlagen
    Neutrale Allokation versus Strategie.

Disclaimer. Diese Publikation wird von der Livalor Vermögensverwaltung AG, Zürich und Vaduz, heraus­ge­ge­ben und dient ausschliess­lich der allge­mei­nen Information. Sie stellt weder eine Aufforderung, ein Angebot noch eine ausdrück­li­che oder konklu­dente Empfehlung in Bezug auf einzelne Finanzinstrumente, Emittenten, Sektoren, Märkte oder eine Vermögensallokation dar, noch eine Aufforderung zur Vornahme irgend­ei­ner Transaktion. Beispielhaft beschrie­bene Marktmechanismen dienen ausschliess­lich der Veranschaulichung und bezwecken weder die Identifikation noch die Beurteilung bestimm­ter Unternehmen oder Instrumente. Diese Publikation stellt keine Anlage-, Rechts- oder Steuerberatung dar und ist nicht auf die Verhältnisse einzel­ner Empfänger zuge­schnit­ten; vor Anlageentscheidungen empfeh­len wir den Beizug einer quali­fi­zier­ten Fachperson. Durch die Lektüre entsteht kein Kunden- oder Beratungsverhältnis.  Die enthal­te­nen Informationen beru­hen auf Quellen, die wir als zuver­läs­sig erach­ten, ohne dass wir deren Vollständigkeit oder Richtigkeit gewähr­lei­sten. Sie geben den Stand zum Zeitpunkt der Erstellung wieder, können sich jeder­zeit ändern und werden nicht aktua­li­siert. Frühere Marktphasen sind kein verläss­li­cher Indikator für künf­tige Ergebnisse; zukunfts­ge­rich­tete Einschätzungen beru­hen auf Annahmen und sind mit Unsicherheiten verbun­den, sodass tatsäch­li­che Entwicklungen erheb­lich abwei­chen können. Die Livalor Vermögensverwaltung AG und die von ihr verwal­te­ten Portfolios können Positionen in Instrumenten der hier ange­spro­che­nen Art halten. Diese Publikation rich­tet sich nicht an eine bestimmte Rechtsordnung und begrün­det in keiner Rechtsordnung ein Angebot, eine Aufforderung oder die Erbringung von Anlageberatungs- oder Vermögensverwaltungsdienstleistungen. Die Livalor Vermögensverwaltung AG bietet ihre Dienstleistungen ausschliess­lich in Rechtsordnungen an, in denen sie hierzu bewil­ligt ist. Wer diese Publikation abruft oder sich aufgrund davon an uns wendet, handelt aus eige­ner Initiative und ist für die Einhaltung des für ihn gelten­den Rechts selbst verant­wort­lich; eine solche Kontaktaufnahme verpflich­tet uns nicht zur Erbringung von Dienstleistungen. Soweit gesetz­lich zuläs­sig, über­neh­men wir keine Haftung für Schäden, die aus dem Vertrauen auf diese Publikation entste­hen. Eine Vervielfältigung, auch auszugs­weise, bedarf unse­rer vorhe­ri­gen schrift­li­chen Zustimmung.

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